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Krötenschutzanlage der Ortsgruppe

KRÖTENBERICHT 2003

Nachdem es im Jahr 2002 eine ganz tolle Amphibienwanderung gegeben hatte, bei der praktisch alle Erdkröten unserer Population in der Schutzanlage zum Ablaichen erschienen waren (ein ziem­lich seltenes Ereignis) durfte man gespannt sein, ob sich der­gleichen 2003 wiederholen würde. Die Bedingungen dafür standen gut,denn der Sommer 2002 war so feucht gewesen, daß die Weib­chen ständig unterwegs sein und Nahrung auf nehmen, demzufolge also auch Laich ansetzen konnten. Auch Fachleute sind sich ja vielfach nicht recht klar darüber, in welchen Abständen Kröten­weibehen denn nun ableichen bzw. ob überhaupt mehrmals. An einer Population wie der bei der Schutzanlage, die seit Jahrzehnten un­ter Beobachtung steht und genau bekannt ist, läßt sich dergleichen natürlich gut erforschen.
Oft setzt die Wanderung ja schon im Februar ein, aber die Witterung war diesmal nicht danach, so daß sich im Februar überhaupt nichts tat. Insofern wurde auch in diesem Monat die Leitein­richtung noch nicht gesäubert. Es ist vergebliche Mühe, dies vor der Zeit zu tun, der Wind weht ja immer alles wieder zu.
Am 5.3. nun herrschten milde 11 °C, und für die Kröten wurde es allmählieh Zeit. Schnell wurde alles für die anstehende Wande­rung vorbereitet: Efeu an der Leiteinrichtung schneiden, Brombeeren entfernen, Laub fegen, Müll entsorgen. Bis zum Abend war die Leit­einrichtung blitzsauber; die Kröten konnten kommen. Unmittelbar nach Abschluß der Arbeiten erschienen die ersten Männchen, Stun­den später überraschenderweise auch schon Weibchen. Es war also wieder einmal geglückt, den Beginn der Wanderung auf den Tag ge­nau vorherzusagen.
Am 6.3. haben wir am Spielplatz die Palisaden repariert, denn etliche Kröten waren hier am Vorabend auf die Fahrbahn gelangt. Die morschen Palisaden stellen ein bleibendes Problem dar. Sie sind zwar im Vorjahr teilweise von der Stadt erneuert worden, aber eben nur teilweise. Es faulen immer wieder welche ab oder werden auch mutwillig heraus gezogen. Man müßte sie in Zement setzen, alles andere bleibt Flickwerk. Am Mittag hat es am 6.3 ganz nett geregnet; zum Abend hin gab es jedoch eine Abkühlung auf 7 °C und insofern keine besonders gute Wanderung.
Richtig los ging es dann am 11.3 bei 17 °C. Es war zwar trocken, das aber bei hoher Luftfeuchtigkeit. Es gab eine prächtige Wanderung mit sehr vielen Weibchen. Für jeden, der einen Blick dafür hat,wurde jetzt schon klar: sie würden wieder alle kommen, die Weibchen. So wie im Vorjahr - und so wie erwartet. Obwohl un­zählige Kröten unterwegs waren, geriet an diesem Abend keine ein­zige auf die Straße, alle verhielten sich absolut mustergültig. Eine Bilderbuchwanderung wie selten. Am 12.3. hat es nochmals leicht geregnet. Es gab wieder eine wunderbare Wanderung mit abermals vielen Weibchen. Am Spielplatz mußten jedoch sehon wieder einige fehlende Palisaden ersetzt werden; die Stelle nervt einfach. Es folgten ein paar warme Tage, aber für Amphibien zu kalte Nächte.
Am 19.3. Stieg das Thermometer tagsüber auf 18 °C, es blieb aber trocken. Nach Mitternacht - bei inzwischen nur noch 4°C! - waren immer noch zahlreiche Kröten unterwegs, obwohl sie bei der Tempe­ratur eigentlich nicht mehr laufen sollten. Sie standen aber nun offensichtlich unter erheblichem Zeitdruck. In dieser Nacht be­gannen dann auch die ersten Weibehen mit der Rückwanderung in den Wald.
Am 24.3. war es immer noch sehr trocken, aber der Abend schön warm. Man konnte eine lebhafte Hin- und Rückwanderung beob­achten.
Trotz anhaltender Trockenheit waren am 25.3. so viele Kröten unterwegs, daß in beiden Richtungen nichts mehr ging. An zwei kritischen Stellen mußte wie in der Vergangenheit schon mehrfach eingegriffen werden, um größere Verluste unter den Weibchen zu verhindern. Bis in den frühen
Morgen wurden Weibchen übergesetzt - über 1000 Stück allein in dieser Nacht. Sie waren also abermals absolut alle gekommen, das konnte man nach dieser Nacht und nach erfolgter Zählung definitiv behaupten» Diese Superwandernacht brachte noch eine weitere Überraschung:
Kammmolche, und zwar diesmal junge. Die ersten jungen Kammolehe, die wir je bei der Schutzanlage gefunden haben. Bislang waren wir ja im Zweifel gewesen, ob sich diese hier erst seit ein paar Jahren nachgewiesene Art etablieren würde. Dies scheint nun also der Fall zu sein, obwohl sich niemand so genau vorstellen kann, an welcher Stelle genau die Kammmolche laichen. Wie sieht nun die Zukunft der Krötenpopulation bei der Schutzanlage aus? Nachdem wir mit unseren Prognosen bisher immer erstaunlich richtig lagen, sei abermals eine gewagt:
Eine so großartige Krötenwanderung wie 2002 und 2003 wird es an unserer Anlage auf Jahre hinaus nicht wieder geben. Das Schauspiel von über 1000 wandernden Weibchen in nur einer einzigen Nacht gehört zunächst einmal der Vergangenheit an. Der Bestand wird sich nach jahrelangem Höheflug (mit Spitzenwerten Ton über 5000 Exemplaren Anfang der neunziger Jahre) nunmehr wieder bei einer dreistelligen Zahl einpendeln. Und warum dieses?
Rufen wir uns noch einmal den Sommer 2003 in Erinnerung. Landwirte und Gartenbesitzer haben es zu spüren bekommen: Eine sol­che Troekenperiode hat es schon ewig nicht mehr gegeben. Die jun­gen Kröten dieses Jahrgangs hatten keine Chance; sie sind alle vertrocknet. Aber auch den Alten ging es an den Kragen. In den Gärten und auf Feldern, wo gewässert wurde,haben natürlich wel­che überlebt. Den Bestand im Wald muß es aber fürchterlich ge­troffen haben - man bedenke unseren Sandboden, der keine Feuchtig­keit hält, Tausende von Kröten sind es jetzt mit Sicherheit nicht mehr. Wie gesagt, eine dreistellige Zahl lautet die Prognose. Und keine sehr hohe dreistellige.
Die Überlebenden dieses mörderischen Sommers sind jedenfalls hart im Nehmen und besonders gut an die hier herrsehenden Verhältnisse angepaßt. Sie bilden eine wertvolle Elterngeneration für den zukünftigen Bestand, an den sie ja ihre Überlebenskraft weitergeben werden.

KRÖTENBERICHT 2002

Ein wertvoller, kommentierter Erfahrungsbericht zu Krötenwanderung und Schutzmaßnahmen

10 Jahre ist sie jetzt in Betrieb, unsere Krötenschutzanlage. Ein kleines Jubiläum also. Und wie schnell ist die Zeit vergangen! Haben wir nicht kürzlich noch Drahtzäune gespannt und die Kröten eimerweise über die Straße getragen, bei strömendem Regen und oft bis in die frühen Morgenstunden? Das ist jetzt nicht mehr (oder nur noch ausnahmsweise) nötig. Eine Person genügt, um die Anlage zu warten und das Wandergeschehen zu lenken. Sie ist nicht ohne Mängel, diese Anlage. Das war uns freilich von Anfang an klar, denn die perfekte und fast wartungsfreie Lösung, die uns vorgeschwebt hatte (das System der Firma Zieger) wurde seinerzeit nicht genehmigt. Wir mußten also mit Mängeln leben und versuchen, diese weitmöglichst auszugleichen. Fachleute, die schon perfekte Anlagen gebaut haben, bezeichnen unsere als absolutes Negativbeispiel und wollen nicht glauben, daß sie funktioniert. Das würde sie zugegebenerweise auch nicht, wenn wir nicht eine Besonderheit eingebaut hätten, etwas, das unseres Wissens bislang (leider) noch kein anderer Krötentunnel aufweisen kann: Eine Sprinkleranlage.

Für Amphibien ist es unzumutbar, durch einen trockenen Tunnel zu laufen, zumal sie ja nicht abzuschätzen vermögen, wie lang er denn wohl sein mag. Sie könnten schließlich vertrocknen, bevor sie das Ende erreicht haben. Amphibien vertrocknen bekanntermaßen sehr schnell; die Angst vor Trockenheit ist also bei ihnen besonders ausgeprägt. Durch unsere Beregnungsanlage wird sie den Tieren genommen und ins Gegenteil verkehrt! Der Tunnel zieht Amphibien an, sobald er gewässert wird. Nur durch diese unsere Erfindung funktioniert die Anlage. Der Nachteil: Das Wässern der Tunnel war bei Trockenheit während der Wanderung oft alle paar Tage erforderlich, gestaltet sich doch recht zeit- und arbeitsaufwendig. Eine pflegeleichte Anlage ist es nicht.

2002 war ein eigenartiges Jahr. Nach einer ungewöhnlich langen Frostperiode wurde es Ende Januar plötzlich extrem warm - so warm wie seit Beginn unserer Aufzeichnungen um diese Zeit noch nie. Aber was heißt das schon heutzutage, es gibt ja nur noch Extreme. Jedenfalls mußte witterungsbedingt mit einem besonders frühen Beginn. Der Amphibienwanderung gerechnet werden. Somit wurde bereits vom 31.1. bis 4.2. alles vorbereitet: Über die Leiteinrichtung hängende Zweige, Efeu und Kräuter beseitigen, Laub fegen, Müll entfernen. Der Müll hielt sich dieses Jahr mengenmäßig in Grenzen, hatte es aber dennoch in Sicht. Vor einem Tunnel waren Dutzende rot blutverschmierter Einwegspritzen "entsorgt" worden. Immer, wenn man dachte, alle eingesammelt zu haben, tauchten aus dem Laub noch weitere auf. Amphibienschutz ist manchmal gar nicht so ungefährlich.

Am 5.2. war jedenfalls alles gesäubert - keinen Tag zu früh! Bei 12°C und den ersten Regenfällen seit langem begann die diesjährige Amphibienwanderung. Sechs Arten wurden an diesem Abend schon beobachtet: Bergmolch, Teichmolch, Kammolch, Erdkröte, Springfrosch und Grasfrosch. Dann rührte sich über 4 Wochen lang nichts mehr; es war zu kalt und zu windig. Zum Glück, denn es gab noch einen Schwachpunkt, der behoben werden mußte. Die Palisaden am Spielplatz, die als Verlängerung unserer Leiteinrichtung im Wald fungieren und die von Norden kommenden Kröten zur Leiteinrichtung führen, waren teilweise defekt bzw. fehlten streckenweise gänzlich.

Die Stadt hatte zugesagt, sie noch rechtzeitig vor Beginn der Wanderung zu reparieren und hat dieses Versprechen dankenswerterweise auch gehalten. Aber eigentlich hätten die Pfosten ja in Zement gesetzt werden müssen. So fehlen schon wieder welche und das Problem stellt sich immer wieder. Vor 10 Jahren haben wir eine damals bestehende Lücke zwischen der Leiteinrichtung und den Spielplatzpalisaden in eigener Regie mit Pfosten geschlossen und diese in weiser Voraussicht gleich einbetoniert - sie stehen heute noch wie am ersten Tag und dürften wohl noch weitere Jahre oder auch Jahrzehnte halten, sofern kein Panzer dagegen fährt. Stabilität rechnet sich auf lange Sicht immer, sie spart auf Dauer Arbeit und Zeit. Da es während der gesamten Wanderzeit recht windig war, mußte die Leiteinrichtung bald jeden zweiten Tag gefegt werden, denn das aufgewirbelte Laub setzt sich dummerweise im Windschatten der Leiteinrichtung ab. Die Kröten können dann leicht hinüberklettern. Die Leiteinrichtung hätte wirklich keinen Zentimeter flacher sein dürfen. Sie funktioniert nur, wenn sie stets blitzsauber ist. Schon ein einziger Laubhaufen dahinter macht sie unbrauchbar, so wie ein einziger fehlender Pfosten am Spielplatz alle Kröten auf die Straße wandern läßt. Man muß täglich kontrollieren, ob auch wirklich alles in Ordnung ist. Der Wartungsaufwand ist nicht zu unterschätzen.

Der 11.3. war ein trockener, aber warmer Wanderabend. Jetzt kamen die Kröten in Mengen. Auch die ersten Weibchen erschienen schon auf der Bildfläche und gingen bereits gezielt durch die Röhren. Am Spielplatz fehlte schon wieder eine der neuen Palisaden und wurde noch während der Nacht ersetzt. Nach Beseitigung dieser Schwachstelle blieben alle Kröten brav hinter den Pfosten. Am 12.3. wurde wieder gewässert, denn es war sehr warm, aber trocken. Es gab eine enorme Wanderung mit kolossal vielen Weibchen. Zeitweise saßen die Kröten zu Hunderten vor den Röhren.

Bei einsetzendem Regen kam es am 15.3. zur ersten Rückwanderungswelle. An diesem Abend wurden auch sehr viele Bergmolche beobachtet. Am 16.3. war es dann wieder trocken, und trotzdem liefen viele Weibchen zurück. Um einen Stau am dritten Tunnel zu entschärfen, wurden 200 Weibchen übergesetzt. In dieser Nacht dürften mehr Weibchen unterwegs gewesen sein als im gesamten Vorjahr. Es waren aber fast alles alte Weibchen, kaum junge. Doch wo sollten die auch herkommen; es hatte ja jahrelang kaum Nachwuchs gegeben. Der 17.3. bescherte uns bei ausgiebigen Regenfällen ein Schauspiel, wie wir es um die Schutzanlage wohl seit einem Jahrzehnt nicht mehr erlebt hatten. Es gab eine Rückwanderung wie selten zuvor. Wieder mußte eingegriffen werden, da am dritten Tunnel nichts mehr ging. Die unzähligen Weibchen, die schon abgelaicht hatten und zurück wollten, blieben an den Sandsteinen hängen, wurden von einem Überangebot an Männchen bedrängt, gerieten in Streß und drehten um. Sie wollten über das Grundstück Tuscher nach Norden wandern. Dies aber ist gar nicht erwünscht, denn dann müssen sie beim Spielplatz die Hubstraße überqueren und werden überfahren.

Die Massenrückwanderung von Weibchen ist das Problem, das wir noch nicht richtig im Griff haben. Da kann man nur wieder zum Eimer greifen und übersetzen. Bis Mittemacht wurden 1000 Weibchen gezählt und in den Wald gebracht. Es kamen natürlich auch nach Mitternacht noch welche, die dann nicht mehr registriert wurden, und in den nächsten Nächten kamen weitere, aber dann immer weniger. Die Zahl der Weibchen liegt jedenfalls bei weit über 1000 Stück, das kann definitiv gesagt heiter werden. Allein am 17.3. sind mehr Weibchen gewandert als in den letzten 3-4 Jahren insgesamt. Da es fast alles alte Weibchen waren, müssen sie über Jahre hinweg mit dem Laichen ausgesetzt haben. Günstige Witterungs- und Nahrungsbedingungen haben dann bewirkt, daß alle auf einmal Laich angesetzt haben. Man darf gespannt sein, ob sich das Schauspiel im Jahr 2003 wiederholt, denn der feuchte Sommer 2002 dürfte sich auf die Amphibien sehr günstig ausgewirkt haben. Setzen sie also wieder alle Laich an oder machen sie trotz günstiger Bedingungen mal wieder Pause? Fragen, die keiner zu beantworten vermag. Es gibt noch viel zu erforschen. Auch Kammolche wurden wieder gesichtet. In mehreren Gartenteichen im weiteren Bereich um die Schutzanlage (etwa Seegarten-Hubstraße) hat man welche gefunden, aber immer nur Einzelstücke. Wir können nicht mit Bestimmtheit sagen, wo sie laichen bzw. ob überhaupt. Über diesbezügliche Mitteilungen von Teichbesitzern wären wir dankbar. Die Kammolche sind nunmehr dreijährig und fortpflanzungsfähig und könnten durchaus irgendwo gelaicht haben. Was besonders auffiel: Am der Schutzsnlage wurden dieses Jahr keine Braunfrösche gefunden, wohl aber im Zugmantel. Hängt es vielleicht damit zusammen, daß der Zugmantel wieder Wasser hat? Sind sie alle dorthin abgewandert?

Der Zugmantel stellt ohne Frage den besseren Braunfroschlebensraum dar. War unser Teich womöglich während all der Jahre, in denen der Zugmantel trocken lag, nur die Rettungsinsel der Braunfrösche, die mal so eben das Überleben der ehemaligen Zugmantel-Population ermöglicht hat?

So sehr viel Nachwuchs haben sie ja bei der Schutzanlage nie gehabt. Der Bestand hielt sich immer so ziemlich an der untersten Grenze, aber er hielt sich hartnäckig. Auch hier sind weitere Beobachtungen erforderlich.

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