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Aktuelles
Flächenverbrauch und demographische Entwicklung
oder: Die Kommunen steuern in den wirtschaftlichen Kollaps!
Der folgende Aufsatz sollte doch zum (Nach-/Vor-)Denken anregen. Quelle: NABU
Der Flächenverbrauch besitzt neben der ökologischen auch eine starke soziale und wirtschafliche Dimension. Dazu muss man wissen, dass die wichtigste Ursache für den Flächenverbrauch die demographische Entwicklung unserer Gesellschaft ist und in der Zukunft noch mehr sein wird. Der Wohnraum pro Kopf beträgt in Deutschland mittlerweile schon 41qm-gegenüber 15 qm in den 50er Jahren- und nimmt pro Jahr um 0,5qm zu. Das sind im Schnitt 50.000 100-qm-Wohnungen, die allein in Baden-Württembergjährlich gebaut werden. Eine Stadt etwa in der Größe von Ulm.
Heutzutage gibt es die Großfamilie nicht mehr, bei der von den Großeltem bis zu den Enkeln alle unter einem Dach lebten. Im Gegenteil: Die Single-Haushalhalte nehmen dramatisch zu, und daran haben besonders allein stehende Senioren einen erheblichen Anteil. (Bsp.Baden-Baden 2001:1000 Einwohner in 581 Wohnungen). Die Bevölkerungszahhl in Deutschland stagniert momentan trotz Zuwanderung und wird bis 2050 sogar von heute 82 Mio. auf 60 Mio. Einwohner zurück gehen. Gleichzeitig wird der Anteil der 60- jahrigen deutlich steigen.
Zwar ist die Überalterung der Gesellschaft nicht aufzuhalten, und das Problem löst sich etwa in 40-50 Jahren von selbst, nur ist es dann zu spät! Der Flächenfraß wird durch den zunehmenden Wohnraumanspruch noch so lange anhalten, bis die Generation der geburtenstarken Jahrgänge (1960er) gestorben ist.
Die heute ausgewiesenen Wohngebiete (vor allem am Rand der Ballungsräume und im ländlichen Raum) werden die Geisterstädte der Zukunft sein! Dort wurden dann Abwasserleitungen und Straßen, Schulen, Kindergärten und vieles mehr gebaut, deren Instandhaltung und Betrieb die Kommune ständig weiter finanzieren muss, ohne die dafür notwendigen Einnahmen zu bekommen. Dramatische wirtschaftliche Probleme der Städte und Gemeinden bis hin zum wirtschaftlichen Kollaps sind programmiert.
Gleiches gilt für jeden Einzelnen: Die vielen teuren Häuser werden dann nichts mehr wert sein, weil es praktisch keine Nachfrage mehr gibt. Unsere Enkel können in einer fast völlig zersiedelten Landschaft ihre Wohnhäuser frei auswählen und müssen kaum etwas dafür bezahlen. Hinzu kommt die soziale Dimension: Viele der Senioren werden in Einfamilienhaus-Ghettos vereinsamen, sie werden zunehmend Schwierigkeiten bekommen, ihre Gärten zu pflegen, ihre Kehrwoche zu machen oder sich auf den langen Wegen zu versorgen (der ÖPNV wird dann extrem ausgedünnt sein oder viel mehr Zuschüsse brauchen als heute). Damit beispielsweise ein Einzelhandelsbetrieb wirtschaftlich rentabel ist, braucht er ein Einzugsgebiet von rund 130 Hektar Wohnsiedlung in Einfamilienhausdichte.
Diese Entwicklung kann regional stark unterschiedlich sein, wird jedoch früher oder später auf alle Kommunen zutreffen. Diejenige Stadt oder Gemeinde, die die größten Einfamilienhaus-Wohngebiete ausgewiesen und sich am wenigsten um die Innenentwicklung gekümmert hat, trifft es am härtesten:: Jedes neue Baugebiet bringt nur kurzfristig Geld in die Gemeindekasse, langfristig legen die Steuer-und Gebührenzahler drauf! Die Konkurrenz der Kommunen um Einwohner und Gewerbebetriebe und damit um Einnahmen ist angesichts der Demographie für keine zu gewinnen.
In diesem Zusammenhang noch ein Wort zu den Einnahmen der Kommunen: Der Konkurrenzkampf der Kommunen wird völlig einfallslos nur mit dem Instrument der Baulandausweisung ausgefochten .Aus regionaler oder landesweiter Perspektive gibt es
jedoch kaum zusätzliche Einwohner oder Betriebe. Sie ziehen nur von einer Kommune in die andere. Landesweit bedeutet das Zersiedelung bei gleich bleibenden Einnahmen für die Kommunen insgesamt. Gleiches gilt für das Gewerbe. Lokale Betriebe (z.B. Handwerk) benötigen in der Regel keine so großen Flächen, so dass sich deren Erweiterungspläne normalerweise im Bestand umsetzen lassen.
Der Gemeindetag Baden-Württemberg sieht ebenfalls diese Probleme voraus und empfiehlt deshalb allen Städten und Gemeinden, sich am Leitbild der kompakten Kommune zu orientieren. Das heißt, die bauliche Entwicklung einer Kommune sollte sich auf den Bestand konzentrieren. Konkret bedeutet das unter anderem, dass die Kommunen baldmöglichst zahlreiche Angebote für Generationenwohnen oder betreutes Seniorenwohnen dezentral bereit stellen und rechtzeitig dafür bei den heute unter 60jährigen werben müssen.
Fazit: Die demographische Entwicklung wird unweigerlich alle Kommunen treffen. Ihre Auswirkungen können jedoch wirksam bekämpft bzw. gemildert werden. Jede Kommune, die sich früher als andere auf die beschriebene Entwicklung einstellt, wird mit deutlich weniger sozialen und ökonomischen Problemen konfrontiert sein. Und nebenbei wird die ökologisch nicht mehr hinnehmbare Bodenzerstörung reduziert. Erste Maßnahmen können z.B. die Bekanntmachung der Chancen der Innenentwicklung bei den Bürgermeistern und Gemeinderäten im Land sein oder die Werbung für mehr Seniorenwohnungen.
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